Maschinell übersetzte Listings ranken auf Amazon.fr, .it, .es, .pl oder bei Kaufland meist schlecht – aus einem einfachen Grund: Kunden in jedem Land suchen mit ihren eigenen Wörtern, nicht mit der Übersetzung deiner. Dazu kommen andere Größen, Einheiten und Pflichtbegriffe je Land, und Akzente fressen Bytes. Die Reihenfolge, die funktioniert: übersetzen, dann Keywords, Größen und Pflichtangaben lokalisieren, dann gegen die Limits des Marktplatzes prüfen.
Warum eine korrekte Übersetzung trotzdem scheitert
Ein Übersetzungstool beantwortet die Frage „Was heißt dieses deutsche Wort auf Französisch?“. Die Marktplatzsuche beantwortet eine andere: „Welche Angebote passen zu dem, was diese Kundin eingetippt hat?“. Eine grammatisch perfekte Übersetzung kann also kein einziges Wort enthalten, das französische Kunden tatsächlich suchen. Amazon schreibt das selbst in seinem Leitfaden zur Listing-Übersetzung: Maschinelle Übersetzung trifft oft nicht die Keywords, die in der lokalen Suche ranken – recherchiere die Suchbegriffe für jeden neuen Shop.
Drei weitere Fehler passieren regelmäßig:
- Größen und Einheiten werden Wort für Wort übersetzt statt in die landesübliche Form gebracht.
- Pflichtbegriffe – Faserbezeichnungen, Warnhinweise – haben in jeder Sprache einen festen Wortlaut, und das Tool wählt ein Synonym.
- Ein Wort verschiebt seine Bedeutung. In unserem eigenen Test wurde aus „Wasserschutz IPX6“ (geschützt gegen Strahlwasser) das französische „étanchéité IPX6“ – étanche heißt wasserdicht, und das ist IPX6 nicht.
Kunden suchen andere Wörter, keine Übersetzungen
Geh vom Produkt aus, nicht von deinem deutschen Titel. Typische Fälle, in denen die wörtliche Übersetzung am Suchbegriff vorbeigeht:
| Deutsch | Wörtlich übersetzt → was Kunden eintippen |
|---|---|
| Handyhülle | FR étui pour téléphone → coque ; IT custodia → cover |
| Trinkflasche | FR bouteille à boire → gourde ; IT → borraccia ; PL → bidon |
| Kapuzenpullover | FR pull à capuche → sweat à capuche ; ES jersey con capucha → sudadera con capucha ; PL sweter z kapturem → bluza z kapturem |
So findest du die richtigen Wörter für jeden Shop:
- Gib die Produktart in die Suchleiste von Amazon.fr, .it, .es oder .pl ein und notiere die Vorschläge der Autovervollständigung.
- Lies die Titel der meistverkauften Angebote derselben Produktart in diesem Shop.
- Mit registrierter Marke: Nutze Amazon Brand Analytics für den jeweiligen Shop und sieh nach, welche Suchbegriffe zu Käufen führen.
- Schreib die Backend-Suchbegriffe pro Shop in der Landessprache – kopier nie die deutschen (mehr dazu bei den Backend-Suchbegriffen).
Einheiten, Größen und Formate
- Dezimaltrennzeichen: Französisch, Italienisch, Spanisch und Polnisch schreiben wie Deutsch mit Komma (2,5 kg), Englisch mit Punkt (2.5 kg).
- Kinderkleidung: Deutsche Größen nach Körpergröße (98, 104, 110 …) werden in Frankreich und Spanien meist nach Alter angegeben („3 ans“, „4 años“). Nenn beides, wenn die Größentabelle es hergibt.
- Bettwäsche und Heimtextilien: Standardmaße unterscheiden sich je Land. 135 × 200 cm ist in Frankreich kein Standardmaß – nenn die Maße und lass „Standardgröße“ weg.
- Elektrogeräte: Nenn den Steckertyp (etwa Typ F, „Schuko“) statt „EU‑Stecker“ – in Italien sind auch Steckdosen vom Typ L verbreitet.
- Übernimm jede Maßangabe aus deinen Daten. Ändere nur das Format, nie die Zahl.
Pflichtbegriffe haben in jeder Sprache einen festen Wortlaut
Textilfaserbezeichnungen stehen in Anhang I der Verordnung (EU) Nr. 1007/2011, die es in jeder EU‑Sprache gibt, und die Kennzeichnung muss in der Amtssprache des Landes sein, in dem du verkaufst (Art. 16 Abs. 3). Ein Tool wählt oft ein Synonym oder einen Markennamen:
| Deutsch | Französisch · Italienisch · Spanisch · Polnisch |
|---|---|
| Baumwolle | coton · cotone · algodón · bawełna |
| Elasthan | élasthanne · elastan · elastano · elastan (nicht „spandex“, nicht „Lycra“) |
| Viskose | viscose · viscosa · viscosa · wiskoza |
| Polyester | polyester · poliestere · poliéster · poliester |
Warn- und Sicherheitshinweise müssen in einer Sprache sein, die Verbraucher im jeweiligen Land leicht verstehen – welche, bestimmt das Land (Art. 19 lit. d GPSR). Frankreich (Loi Toubon, Art. 2), Italien (Codice del consumo, Art. 9) und Polen (Gesetz über die polnische Sprache, Art. 7a) schreiben ihre Landessprache für Produktinformationen und Warnhinweise vor.
Spielzeug-Warnhinweise zeigen gut, wo Tools danebenliegen. Nach der Spielzeugrichtlinie (Art. 11 Abs. 2) beginnen Warnhinweise mit einem festen Wort, das jede Sprachfassung vorgibt – „Achtung“ auf Deutsch, „Attention“ auf Französisch, „Avvertenza“ oder „Avvertenze“ auf Italienisch (das italienische Gesetz, D.lgs. 54/2011, Art. 10 Abs. 5, lässt auch „Attenzione“ zu), „Advertencia“ oder „Advertencias“ auf Spanisch und „Ostrzeżenie“ oder „Ostrzeżenia“ auf Polnisch. Ein Tool schreibt gern „Warnung“, „Atención“ oder „Uwaga“. Mehr dazu bei den Spielzeug-Warnhinweisen und den Textilfaserbezeichnungen.
Akzente kosten Bytes, Übersetzungen kosten Zeichen
Amazon zählt die Backend-Suchbegriffe in Bytes, nicht in Zeichen. In UTF‑8 braucht jeder Buchstabe mit Akzent zwei Bytes – é, è, à, ç im Französischen, ñ und á im Spanischen, ò und ù im Italienischen, ą, ć, ę, ł, ń, ó, ś, ź, ż im Polnischen. Das Euro-Zeichen braucht drei.
| Text | Zeichen → Bytes |
|---|---|
| chaussures randonnée imperméables | 33 → 35 |
| buty trekkingowe wodoodporne męskie | 35 → 36 |
| żółć | 4 → 8 |
Ein polnisches oder französisches Suchbegriff-Feld, das kurz genug aussieht, kann also über dem Limit liegen. Französische und spanische Fassungen werden außerdem meist länger als die deutsche Vorlage – Titel und Bullet Points, die auf Amazon.de passen, sprengen nach der Übersetzung oft das Limit. Zähl nach mit dem Byte-Zähler für Suchbegriffe und dem Titel-Check.
Amazons „Build International Listings“
Mit Build International Listings (BIL) in Seller Central legst du Angebote in anderen Amazon-Shops aus einem Quell-Shop heraus an und hältst sie aktuell; die Preise kann BIL nach deinen Preisregeln synchronisieren. Gibt es das Produkt im Ziel-Shop noch nicht, versucht BIL, die Produktseite per maschineller Übersetzung anzulegen. Laut Amazon übersetzt BIL Titel und Bullet Points; Amazon selbst empfiehlt, lokale Suchbegriffe zu recherchieren, und verweist für das ganze Listing auf professionelle Übersetzung.
Nutz BIL, um Angebote schnell live zu bringen – und geh dann jeden neuen Shop durch: Titel und Bullet Points mit lokalen Keywords, eigene Backend-Suchbegriffe pro Shop, Beschreibung, Größen- und Einheitenformate sowie Sicherheits- und Warnhinweise in der Landessprache.
Ein Ablauf, der funktioniert: übersetzen, lokalisieren, prüfen
- 1. Übersetz aus der saubersten Quelle: deinen Produktdaten (Material, Maße, Warnhinweise), nicht aus einem alten Listing voller Werbefloskeln.
- 2. Keywords lokalisieren: Ersetz die übersetzte Produktart durch den Begriff, den Kunden suchen, und bau Titel und Suchbegriffe darum herum.
- 3. Formate lokalisieren: Dezimalkomma oder -punkt, Größen, Steckertypen.
- 4. Pflichtbegriffe durch den amtlichen Wortlaut ersetzen: Faserbezeichnungen, Warnwörter, GPSR-Sicherheitshinweise.
- 5. Limits und Wortwahl pro Marktplatz prüfen: Titellänge, Bullet Points, Bytes der Suchbegriffe und Aussagen, die in jeder Sprache verboten sind, etwa „éco-responsable“ oder „sostenibile“.
Für Schritt 5 fügst du das übersetzte Listing in den kostenlosen Listing-Check ein: Er zählt die Limits so, wie der jeweilige Marktplatz zählt, und findet verbotene Umweltaussagen, „CE-geprüft“ und unzulässige Faserbezeichnungen wie „Bambus“ in allen sechs Sprachen. Wenn du dir die Schritte 1–5 sparen willst: Nordova schreibt jede Sprachfassung direkt aus deinen Produktdaten, statt ein Listing zu übersetzen – siehe den Vergleich mit ChatGPT.