Amazon hat zwei Orte für längeren Text: das einfache Feld „Produktbeschreibung“, das jeder Verkäufer füllen kann, und A+ Content aus Bild- und Textmodulen, für den du eine Rolle bei einer Marke in der Amazon Markenregistrierung brauchst. Sobald A+ Content freigegeben ist, sehen Käufer an dieser Stelle die Module statt deines Beschreibungstexts. Was in welches Feld gehört, was Amazon zur Suche sagt – und warum Pflichtangaben nie nur in der Beschreibung stehen sollten.
Zwei Felder für denselben Platz
Die Produktbeschreibung ist ein reines Textfeld im Angebot. A+ Content baust du im A+ Content Manager in Seller Central aus Modulen zusammen: Bilder mit Text, Vergleichstabellen, bei Premium A+ auch Videos und Karussells. Beide erscheinen auf der Produktseite unterhalb der Bullet Points im selben Bereich.
- Produktbeschreibung
- Reiner Text, für jedes Angebot, ohne Markenregistrierung
- A+ Content (Basis)
- Module mit Bildern, Text und Vergleichstabellen; für Marken in der Markenregistrierung, kostenlos
- Premium A+
- zusätzlich größere Bilder, Videos, interaktive Hotspots und Karussells; nur für Marken, die Amazons zusätzliche Voraussetzungen erfüllen
- Markengeschichte
- ein Modul über die Marke, das bei allen Produkten der Marke erscheint
Entscheidend ist der Satz, den eine Amazon-Mitarbeiterin 2026 in den Seller Forums so formuliert hat: „A+ Content replaces your product description“. Sobald A+ Content live ist, sehen Käufer deinen Beschreibungstext auf der Produktseite nicht mehr. Titel und Bullet Points bleiben sichtbar.
Die Produktbeschreibung: Länge und Format
- Länge: Üblich sind höchstens 2.000 Zeichen. Das verbindliche Limit für deine Kategorie zeigt Seller Central im Formular und in der Lagerbestandsvorlage; Amazons Hilfeseiten sind nur nach Anmeldung lesbar, prüf die Zahl deshalb dort.
- Kein HTML: Amazon hat in den Seller Forums angekündigt, HTML-Tags auf Produktdetailseiten nach dem 8. Juni 2021 nicht mehr zu unterstützen. Zeilen mit HTML werden entfernt oder ohne Formatierung angezeigt. Als Ausnahme nennen die Regeln für Produktdetailseiten – so zitieren sie Verkäufer in den Foren – Zeilenumbrüche (br-Tag) in der Beschreibung.
- Kein Markdown: Sternchen, Rauten und Spiegelstriche erscheinen als Zeichen im Text. Gliedere mit kurzen Absätzen.
- Keine Kontaktdaten, Links, Preise, Versand- oder Verfügbarkeitsangaben: Amazons Regeln für Produktdetailseiten schließen sie in Titel, Bullet Points und Beschreibung aus.
Gut funktionieren drei bis vier kurze Absätze: wofür das Produkt ist und für wen; Material und Verarbeitung; Maße, Lieferumfang und Pflege. Wie das konkret aussieht, zeigen die Beispiele für Amazon-Produktbeschreibungen.
A+ Content: Voraussetzungen, Prüfung, Sprache
- Markenregistrierung: Der Markenname oder ein Logo mit dem Markennamen muss dauerhaft auf Produkt oder Verpackung stehen, und du brauchst eine angemeldete oder eingetragene Marke. Die Markenregistrierung selbst ist kostenlos.
- Konto und Rolle: Amazon nennt ein Professional-Verkäuferkonto und eine Rolle als Markenvertreter (Brand Representative) oder Wiederverkäufer für eine Marke in der Markenregistrierung; auf seiner US-Verkäuferseite nennt Amazon außerdem Verkäufer mit generischen Produkten als berechtigt. A+ Content lässt sich nur auf ASINs der eigenen Marke anwenden.
- Prüfung: Jede Einreichung wird von Amazon geprüft; nach Amazons Angaben im Forum dauert das bis zu 7 Werktage, in Spitzenzeiten länger.
- Sprache: A+ Content erscheint nur in der Sprache, in der er veröffentlicht wurde. Für Amazon.de brauchst du eine deutsche Version, für jede weitere Sprache eine eigene Einreichung.
- Bilder: Amazon empfiehlt Bilder mit mindestens 1.500 Pixeln an der längsten Seite. Zu jedem Bild gehört ein Alternativtext.
Auf seiner Seite zur Markenregistrierung nennt Amazon bis zu 8 % mehr Umsatz mit Basis-A+ und bis zu 20 % mit gut umgesetztem Premium-A+ – nach Amazons eigenen internen Daten, nicht unabhängig überprüft. Für Premium A+ gelten zusätzliche Kriterien; eine Amazon-Mitarbeiterin nannte 2026 als typische Schwelle freigegebenen A+ Content auf 5 oder mehr ASINs. Die Kriterien haben sich in der Vergangenheit geändert.
Was die Amazon-Suche liest – und was unklar ist
Hier kursieren viele Behauptungen. Was sich mit Amazons eigenen Aussagen belegen lässt, ist wenig:
- Alternativtext: Ein Amazon-Mitarbeiter schrieb in den Seller Forums, dass der Alternativtext von A+-Modulen für Suchergebnisse verwendet wird. Schreib ihn deshalb als echte Bildbeschreibung mit den passenden Begriffen, nicht als Keyword-Liste.
- Text in A+-Modulen: Ob er in die Amazon-Suche einfließt, dokumentiert Amazon auf den öffentlich zugänglichen Seiten nicht.
- Ausgeblendete Produktbeschreibung: Agenturen schreiben, dass Amazon sie auch dann indexiert, wenn A+ sie ersetzt. Eine Bestätigung von Amazon dafür haben wir nicht gefunden.
Für die Praxis heißt das: Verlass dich bei wichtigen Suchbegriffen nicht auf Beschreibung oder A+. Sie gehören in den Produkttitel und die Artikel-Highlights, die Bullet Points und die Backend-Suchbegriffe. Füll die Beschreibung trotzdem sorgfältig aus: Sie ist sichtbar, solange kein A+ Content freigegeben ist, und auch ohne Markenregistrierung dein einziger Fließtext.
Was gehört wohin?
- Titel
- höchstens 75 Zeichen seit dem 27. Juli 2026: Marke, Produktart und die Merkmale, in denen sich Varianten unterscheiden
- Artikel-Highlights
- bis zu 125 Zeichen für Material, Einsatz und weitere Details (Produkttitel und Highlights)
- Bullet Points
- die fünf kaufentscheidenden Fakten, dazu Pflichtangaben wie die Faserzusammensetzung
- Produktbeschreibung
- Einsatz, Material und Verarbeitung, Maße, Lieferumfang, Pflege – als ruhiger Fließtext
- A+ Content
- Produkt in Anwendung zeigen, Details im Bild, Vergleich mit eigenen Produkten, Markengeschichte
- Backend-Suchbegriffe
- Synonyme und Schreibweisen, die nicht im Titel stehen
- Sicherheitsfelder (GPSR)
- Hersteller, verantwortliche Person in der EU, Warn- und Sicherheitshinweise
Vorsicht bei Pflichtangaben: Die Faserzusammensetzung von Textilien muss nach Art. 16 Abs. 1 der Verordnung (EU) 1007/2011 vor dem Kauf deutlich sichtbar sein, auch online. Die Inhaltsstoffe von Kosmetik hat das LG Karlsruhe (Beschluss vom 7. April 2020, 13 O 26/20) einem Amazon-Händler in der Artikelbeschreibung abverlangt. Steht so eine Angabe nur in der Produktbeschreibung und ersetzt A+ Content diese, sieht der Käufer sie nicht mehr. Nimm sie deshalb in einen Bullet Point oder die passenden Attribute auf und wiederhole sie im A+ Content als Text – nicht nur in einem Bild.
Hersteller und EU‑Verantwortlicher nach GPSR gehören in die dafür vorgesehenen Sicherheitsfelder, nicht in den Fließtext.
Dieselben Regeln für Text und A+
A+ Content ist Werbung wie jeder andere Text im Angebot. Was du in der Beschreibung nicht schreiben darfst, darfst du auch nicht in ein A+-Modul oder als Text in ein A+-Bild setzen. Die Kosmetikverordnung nennt ausdrücklich auch Bilder und andere Zeichen, die Wirkungen vortäuschen (Art. 20 Abs. 1 Verordnung (EG) 1223/2009).
| Statt | Besser |
|---|---|
| umweltfreundliche Trinkflasche | Trinkflasche aus Edelstahl 18/8, Deckel aus Polypropylen |
| CE-geprüfte Schreibtischlampe | CE-Hinweis weglassen – die Kennzeichnung ist Pflicht, kein Prüfsiegel |
| hilft bei Neurodermitis | pflegt trockene Haut (nur, wenn der Hersteller das belegt) |
In Deutschland sind seit dem 27. September 2026 pauschale Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“ oder „klimaneutral“ verboten (Green-Claims-Verbot); „CE-geprüft“ gilt als irreführend (CE- und Prüfsiegel-Aussagen); bei Kosmetik sind Heilversprechen tabu (Kosmetik-Werbeaussagen). Amazon selbst nennt als häufige A+-Fehler unbelegte Aussagen, Preis- und Aktionsangaben sowie die Erwähnung von Produkten oder Marken der Konkurrenz.
Listing prüfen
Nordova schreibt Amazon.de-Beschreibungen als reinen Text mit 400 bis 2.000 Zeichen und meldet HTML und Markdown als Fehler. Für eBay und Kaufland, wo einfaches HTML erlaubt ist, lässt Nordova nur die dort üblichen Tags ohne Attribute zu und meldet andere Tags. A+-Module schreibt Nordova nicht.
Prüf deinen vorhandenen Beschreibungstext mit dem kostenlosen Listing-Check – ohne Konto. Einzelne Formulierungen für A+-Bilder testest du im Claims-Checker.